Grußwort von Nora Pauli

Ich stehe hier stellvertretend für eine der größten zivilgesellschaftlichen Frauenbewegungen Deutschlands, für die Omas gegen Rechts, die sich auf dem Boden unseres Grundgesetztes für Menschenwürde und eine demokratische Gesellschaft mit einem festen Platz für Vielfalt einsetzt. Demokratieförderung und -stärkung kommt nicht ohne bürgerschaftliches Engagement aus.

Die Möglichkeit vor Ihnen in diesem Haus zu sprechen ist, gerade jetzt, ein wichtiges Symbol der Solidarisierung und des Schulterschlusses in unserem gemeinsamen Anliegen. Dafür Danke ich Ihnen.

Als Frau, als älterer Mensch, als Oma gegen Rechts und als queer lebende Person erfülle ich unterschiedliche Kriterien für diskriminierende Zuschreibungen. Ich weiß, dass die Zunahme von Hass und Hetze gegen unsere Community mehr ist, als nur ein statistischer Fakt, sondern erlebte Realität. Auf den Straßen Im Netz, im Beruf…überall!

Wir OMAS haben erlebt was es zu Beginn der 60ger bedeutete zur LGBTQ Gemeinschaft gerechnet zu werden.

• Aus den Familien verstoßen

• Als widernatürlich und krank, gebrandmarkt

• Bestraft, verurteilt

• Und mit schlimmsten verlogenen Zuschreibungen versehen: wie z.B. der Erstellung eines Zusammenhangs von schwuler Homosexualität und Pädophilie, und der Unterstellung von einer Schädigung kindlicher Entwicklung durch die alleinige Sichtbarkeit der widernatürlichen Erscheinungsform queerer Menschen.

Wir haben Gewalt und Seelenmord durch diese gesellschaftliche Haltung erfahren und – nicht alle- überlebt. Genau das wollen wir für uns und insbesondere für unsere jungen Mitmenschen auf jeden Fall verhindern. Sie verdienen unseren Beistand. Sie sind Teil unserer Gesellschaft mit dem gesetzlichen Schutzanspruch ihrer Würde und dem Anspruch gleicher Rechte in unserer Gemeinschaft. Es ist ihr und unser Auftrag das zu vertreten und aktuell:  ZU VERTEIDIGEN: und das Laut, entschlossen und sichtbar.

Diese Chance haben Julia Klöckner, wie auch in unterschiedlichen Kontexten, andere politische Akteure, vergeben und vielmehr noch den Kritikern und Feinden der Community mit der Entscheidung des Verbotes der Regenbogen Beflaggung und des Verbotes der Teilnahme von Angestellten der Bundesverwaltung in ihrer öffentlichen Rolle am Berliner CSD, populistisch in die Hände gespielt. Die Anmerkung ebenso gut auch eine Flagge des Vatikans hissen zu können mutet in diesem Kontext zynisch an.

Ich werde bewusst die aktuell virulenten Aussagen bzw. die strategisch gewählten demontierenden Bilder von wichtigen politischen Mandatsträgern nicht wiederholen, da jedes Bild, jede Metapher, sei sie noch so unsinnig, sich in den Köpfen der Menschen festsetzt und ihre eigene Wahrheit entwickelt.

Genau das ist das Ziel populistischer Manipulation!

Wir kritisieren dieses Vorgehen und die zugrunde liegende Haltung scharf.

Und daher auch unsere Demonstration:

Unter dem Regenbogen für das Grundgesetzt am

So. 20.Juli auf der Wiese vor dem Reichstag von 12. bis 14.00 Uhr

Sie sind alle herzlich eingeladen.

Auch der Historiker Martin Lücke mahnt in dem Artikel: „DER ANHALTENDE KAMPF UM QUEERE SICHTBARKEIT“ vom 26.06.25 im Deutschlandfunk Kultur zur Vorsicht: „Vieles ist noch nicht hinreichend institutionell abgesichert“. So will etwa die Bundesregierung das Selbstbestimmungsgesetz bis spätestens Sommer 2026 einer Evaluierung unterziehen. „Es ist gar nicht ausgenommen, dass Gesetze wieder zurückgenommen werden“, sagt Lücke und warnt vor einer „antiqueeren Rhetorik“.

Die Diskreditierung und Diskriminierung unserer Community ist nur ein Anteil, ein Beginn des aktuellen Kulturkampfes um eine rückwärtsgewandte z.T. völkische Identität, in dem die Deutungshoheit über den Wert von Menschen in Händen einiger selbsternannter Volksretter und rechtsextrem orientierter Gruppen liegt. Das gilt es mit allen demokratischen Mitteln zu verhindern! Gemeinsam.

Nie wieder ist jetzt. Fight the Backlash. Queer laut entschlossen.

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