Der §218 – eine unendliche Diskussion ?

Wir Omas gegen Rechts sind für das Selbstbestimmungsrecht der Frau, das ist notwendig und wichtig. Und wir sind dagegen, dass Menschen diskriminiert werden, warum auch immer.

Und genau da beginnt für mich das Problem.

Wenn der Schwangerschaftsabbruch völlig frei gegeben wird, dann kann – wie auch jetzt, eine Schwangerschaft abgebrochen werden, wenn ein erwartetes Kind behindert sein wird. Liegt darin nicht eindeutig eine Diskriminierung behinderter Menschen? Behindertenverbände sehen das auch so.

Und weiter gedacht: Kann das nicht der erste Schritt auf dem Weg sein zu einem Denken, das zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterscheidet? Muss nicht – könnte aber – oder? Und schließlich: Wo beginnt Behinderung?

Alles Fragen, die ich mir hier stelle und auch keine Antwort habe.

Die einzige Möglichkeit wäre, die Strukturen unserer Gesellschaft so zu verändern, dass das Leben für Behinderte und deren Angehörige erleichtert würde.

Vielleicht ist es anmaßend, wenn ich, die ich dieses Problem nie hatte, solche Überlegungen hier anstelle.

Ich bin evangelische Pfarrerin und geprägt vom christlichen Menschenbild, das in jedem Menschen ein Geschöpf Gottes sieht. Und ich habe während meiner Studienzeit eineinhalb Jahre in Bethel gelebt und dort viele behinderte, auch schwerstbehinderte Menschen kennen gelernt. Ich will mir nicht vorstellen, sie alle hätten nicht gelebt.

Aber – um auch das deutlich zu machen: Wenn eine werdende Mutter oder werdende Eltern es nicht ertragen können, ein behindertes Kind zu haben und sich für einen Abbruch der Schwangerschaft entscheiden, dann gilt natürlich auch für sie, dass sie deswegen nicht diskriminiert werden dürfen.

Hier sind die Aktionen der selbsternannten Lebensschützer nicht hilfreich!

An sie ist die Frage zu stellen, ob sie sich mit gleicher Kraft für den Schutz geborener Kinder einsetzen, für die, die auf der Flucht im Mittelmeer zu ertrinken drohen, für die, die im Krieg getötet werden, teils mit deutschen Waffen? Eine Fülle von Fragen!

Wir Omas gegen Rechts wollen in größeren Zusammenhängen denken und das auch bei der Diskussion um den § 218!

Gertrud Stihler

Oma gegen Rechts aus Karlsruhe

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