Anna Ohnweiler:

Für mich war der 24. Februar 2022 ein schwarzer Tag, welcher mich für Sekunden in Schockstarre versetzt hat.

Ich hätte es nicht geglaubt, dass aus den schmerzlichen Erfahrungen, welche in Europa mit Kriegen gemacht wurden, so etwas wieder vor unserer Haustür geschehen kann.

Es war der Tag, welcher unser aller Leben von jetzt auf gleich verändert hat. Dieser Krieg wird Spuren hinterlassen, bei vielen Menschen Wunden aufreißen und Menschen traumatisieren.

Mittlerweile bin ich 72 Jahre alt und habe schon einiges erlebt. In diesen 72 Jahren nannte ich zwei Systeme meine Heimat. Meine alte Heimat war eine Diktatur, dort lebte ich fast 30 Jahre lang.

Die letzten 42 Jahre durfte ich in meiner jetzigen Heimat leben, ich sage bewusst nicht neue Heimat, da ich hier wirklich die Heimat gefunden habe, nach der ich mich sehnte. Heimat deshalb, weil mir die Freiheit und Demokratie immer wichtig waren und wichtig sind.

Kriege und Diktaturen nehmen einem die Luft zum Atmen. Ich kann es sehr gut verstehen, wenn die Menschen ihre Freiheit, mit allem was sie haben, verteidigen und dass die Menschen, welche ihre Kinder und Alten schützen wollen, eine Flucht in fremde Länder in Kauf nehmen.

Was bedeutet diese ganz besondere und in der jüngsten Geschichte einmalige Fluchtbewegung?

In diesem unsäglichen Krieg ist es sehr kompliziert.

Bei uns kommen vorwiegend Frauen mit zum Teil auch sehr kleinen Kindern an.

Es werden ganzen Familien auseinander gerissen. Männer aber auch einige Frauen bleiben zurück, um die Ukraine zu verteidigen, ein Land, welches sich auf den Weg gemacht hatte, um erfolgreich eine Demokratie zu werden und eine geworden ist.

Ich bin Oma dreier Enkelkinder und stelle mir immer vor, was das für meine Enkelkinder bedeuten würden, so dass mir, entschuldigen Sie, wenn ich pathetisch werde, das Herz blutet.

Es kommen Menschen zu uns, welche unsere ganz besondere Hilfe brauchen.

Ich habe uns als hilfsbereite Menschen kennengelernt und bin mir sicher, dass wir uns nicht verschließen werden, auch hier Hilfe anzubieten.

Neben Unterkünften braucht man auch Spenden, deshalb habe ich vor Tagen einen Spendenaufruf auf Facebook gestartet, welcher Kinder zu Gute kommen soll und wie folgt lautet:

In Kinderhände gehören Spielzeug und manchmal auch bunte Kreide, doch keinesfalls Granatsplitter oder sogar Blut.

Wir sammeln Spenden für traumatisierte Kinder des Ukrainekrieges, welche wir zu 100% an Ärzte ohne Grenzen weiterleiten.

Auch Kleinstbeträge helfen.

Bitte unbedingt auf der Überweisung „Kinder des Ukrainekrieges“ angeben!

Omas gegen Rechts Deutschland e.V.

IBAN:DE39 506 616 3900 0439 2400

VR-Bank – MainKinzig-Büdingen eG

Weil die Männer das Land nicht verlassen dürfen und nur Frauen mit ihren Kindern auf der Flucht sind, könnten in diesem Krieg viele Kinder ihre Väter verlieren, was dazu beiträgt, dass zu der Traumatisierung durch den Krieg noch die durch den Verlust eines Elternteils hinzukommt.

Diese Kinder brauchen Hilfe.

Ihre unbeschwerte Kindheit wurde über Nacht beendet.

Uns allen muss bewusst sein, dass kein Mensch seine Heimat mutwillig verlässt, dass jede Flucht schwer zu vernarbende Wunden hinterlässt, welche nicht nur durch Kriegshandlungen entstehen.

Zeigen wir Herz, denn ein herzliches Willkommen lindert den Schmerz.