Angelika Steinschulte:

„Vielfalt am Main war das Motto einer Veranstaltung am 10. Juli 21, die der Frankfurter Jugendring (FJR) organisiert hatte. 2018 fand sie noch unter dem Namen „Parade der Kulturen“ statt, da diesmal aber auch Gruppierungen von Menschen mit Behinderungen, Senioren und die LGBTQI-Community integriert werden sollten, wurde der Name in „Vielfalt am Main“ geändert, so die Vorsitzende des Frankfurter Jugendrings Yassine Chaikhoun.

Los ging es am Vormittag mit einer Demo vom Kaisersack bis zum Römerberg. Etwa 600 Menschen beteiligten sich daran, darunter bolivianische, indonesische und bulgarische Tanzgruppen, die Omas gegen Rechts, verschiedene LGBTQI-Gruppen, Hare Krishna, „Aufstehen gegen Rassismus“ (AgR) und VVN. Es war eine fröhliche, bunte Mischung. Die Tanzgruppen tanzten die gesamte Strecke des Demonstrationszuges. Es gab Musik und die Menschen waren bei angenehmen, sommerlichen Temperaturen und Sonne guter Stimmung und ausgelassen.

Am Römer folgte dann eine große Kundgebung. Sie begann mit einer Schweigeminute für Esther Bejarano, die am Tag zuvor im Alter von 97 Jahren gestorben war. Anschließend sprachen u.a. die Frankfurter Integrations- und Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD), Jutta Shaikh von den Omas gegen Rechts und Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank. Mendel erinnerte an das Engagement von Esther Bejarano gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und für Toleranz. Sie habe gesagt: „Ich werde hier singen, bis es keine Nazis mehr in Deutschland gibt.“ Dieses Ziel sei leider noch nicht erreicht, daher müssten wir uns weiter in ihrem Sinne einsetzen und überall „eine bunte Flagge und eine Flagge der Vielfalt nach der Botschaft von Esther hissen“, so Mendel.

Auch Jutta Shaikh von den OMAS GEGEN RECHTS konzentrierte sich in ihrer Rede auf die Gefahren für unsere Demokratie durch Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Hier ihre Rede in Auszügen:

„Wir OMAS GEGEN RECHTS sind heute hier, weil wir die kulturelle Vielfalt Frankfurts als eine große Bereicherung erachten, nicht nur beim Essen, sondern in einer Vielzahl von Bereichen unseres täglichen Lebens. Wir setzen uns ein für eine demokratisch-pluralistische bunte Gesellschaft, in der Kultur vom Austausch und von Vielfalt geprägt wird.

Ganz im Gegensatz zur AfD, deren Vertreter Multikulturalität als Völkermord bezeichnen, die, wie Herr Gauland, eine deutsche SPD-Ministerin nach Anatolien entsorgen möchten, nur weil sie türkische Wurzeln hat und keine sogenannte „Biodeutsche“ ist, oder die, wie Frauke Petri, die bunte kulturelle Vielfalt mit einem Komposthaufen vergleichen.

Wir OMAS GEGEN RECHTS erheben unsere Stimme gegen solche diskriminierenden, rassistischen Aussagen. Sie erinnern uns an die Propaganda vom ,unwerten Leben‘ im Nationalsozialismus, wo auf hetzerische Parolen der millionenfache Massenmord an Juden und anderen Minderheiten folgte. Nie wieder!

… Seit dem Zustrom der Flüchtlinge 2015 haben rassistische Angriffe [in Deutschland] stark zugenommen. Verbal, im Netz, aber auch real, bis hin zu den tödlichen Angriffen in Hanau. Und statt einen konstruktiven Beitrag zu leisten, einzelne Konfliktsituationen, die es zwischen Menschen verschiedener Herkunft geben mag, zu beheben, schürt die AfD die Ängste in der Bevölkerung weiter an. Sie will die Gesellschaft spalten. …

Wir OMAS GEGEN RECHTS stehen heute hier, weil rassistische Hetze und Hass keine Meinung ist, sondern ein tödliches Gift. Wir haben unsere Eltern und Großeltern vorwurfsvoll gefragt: Warum habt ihr damals die Gefahren des Nationalsozialismus nicht erkannt, warum habt ihr nichts dagegen getan, als ihr noch konntet, warum hat die Mehrheit der Bevölkerung geschwiegen und die Grausamkeiten zugelassen? – Wir wollen uns das nie von unseren Kindern und Enkeln vorwerfen lassen müssen. …

Wir gehen auf die Straße, damit die freiheitliche rechtsstaatliche Demokratie in Deutschland erhalten bleibt für zukünftige Generationen, damit das im Grundgesetz garantierte Recht auch weiterhin gilt: Kein Bürger unseres Landes darf wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Identität benachteiligt werden. Nicht nur sog. „Biodeutsche“ haben eine Würde, die Würde aller Menschen muss unantastbar bleiben.

 … Dieses Jahr 2021 wird vor allem von drei Themen geprägt: von Corona, dem Klimawandel und den Bundestagswahlen. Diese Wahlen sind extrem wichtig für unsere Zukunft. Wir Omas gegen Rechts sind eine überparteiliche Initiative. Wir machen keine Werbung für Parteien, aber wird sind gegen Rechtsextremismus. Die AfD erachten wir als rechtsextreme Partei, als eine große Gefahr für unsere freiheitliche Demokratie. …

Wir brauchen mehr Solidarität, mehr soziale Gerechtigkeit und bessere Bildungschancen für alle und vor allem auch mehr politische Bildung. Denn der soziale Friede wird nicht durch die kulturellen Unterschiede miteinander lebender Menschen gefährdet, sondern durch zu große soziale Ungleichheit. Deshalb unsere große Bitte, wir brauchen die Unterstützung von Euch allen und als erster Schritt: Bitte geht wählen und gebt den Rechtsextremen keine Chance.“